Großbritannien und Osteuropa sind Spitzenreiter beim vernetzen Bahnfahren. Doch wie gut schneidet die U-Bahn ab?

Fragt man Bahnpendler in Großbritannien nach ihrer Meinung zu den Dienstleistungen der National Rail, erhält man vermutlich ziemlich gemischte Antworten. Deshalb mag es einige vielleicht überraschen, dass die National Rail zu den besten Anbietern von Smarten Bahnhöfen in Europa gehört.

Eine Datenauswertung von 44 nationalen Bahnlinien in Europa ergab, dass Großbritannien neben 10 anderen Ländern alle Kriterien für Smarte Bahnhöfe erfüllt. Dazu gehören unter anderem die Verfügbarkeit von USB-Anschlüssen, WiFi, einer App für Dienstleistungen und die Bereitstellung von Steckdosen, um Laptops oder Handys aufzuladen. Obwohl Großbritanniens Eisenbahninfrastruktur eine der ältesten ist, nimmt das Land bei den Investitionen in die Konnektivität, die im heutigen Zeitalter besonders wichtig ist, scheinbar eine Vorreiterrolle ein.

Die Besten der Besten…

Wie zu erwarten machen größere westeuropäische Länder den größten Teil der Rangliste aus. Dass große Länder wie Frankreich, Deutschland, Italien und die Niederlande unter den andern 10 Länder sind, die ebenfalls die oben genannten Kriterien erfüllen, ist daher nicht weiter verwunderlich.

Überraschend ist aber, dass auch kleinere Länder, wie Irland, Slowenien und Georgien darunter sind. Slowenien war früher Teil des kommunistischen Jugoslawiens und wurde 1991 ein unabhängiger, souveräner Staat. Seitdem hat das Land viel investiert, um an der Spitze der modernen Technologie zu stehen und den Lebensstil seiner Bevölkerung zu verbessern. Ebenfalls interessant ist, dass Slowenien zu den Ländern mit der niedrigsten ungleichen Einkommensverteilung der Welt gehört. Die restlichen drei besten Anbieter sind Polen, Monaco und Russland. 

….und der Rest

Unter den fünf Ländern, die keine der drei Kriterien für einen Smarten Bahnhof erfüllen, sind Serbien und Montenegro, die geographisch nicht weit vom Spitzenreiter Slowenien entfernt liegen. Auch Nordmazedonien, Liechtenstein und Albanien können keines dieser Angebote vorweisen.

Wie schaut es bei der U-Bahn aus?

Gemessen an den technologischen Investitionen in den Eisenbahnlinien, schneiden die Metrosysteme in Großbritannien nicht ganz so gut ab. Da U-Bahnen nur in verkehrsreichen Großstädten vorhanden sind, gibt es nicht in jedem Land ein U-Bahnsystem. Deshalb wurden auch im Gegensatz zu den 44 nationalen Eisenbahnlinien nur 25 U-Bahnsysteme untersucht. 

Die Kriterien wurden ebenfalls gelockert. So ist die Bereitstellung von Steckdosen für den öffentlichen Gebrauch kein Kriterium mehr. Selbst bei geringeren Anforderungen konnten nur vier Metrosysteme alle drei erfüllen: Die Metros in Brüssel, Moskau, Madrid und Minsk sind die einzigen Spitzenreiter bei der Einführung Smarter U-Bahnhöfe. Letzteres ist besonders interessant, wenn man bedenkt, dass Belarus im Human Development Indexder Vereinten Nationen nach wie vor nur als Entwicklungsland eingestuft wird.

Die britischen U-Bahnen schneiden nicht so gut ab

Zwar bietet die Londoner U-Bahn WiFi und eine App an, aber keine USB-Anschlüsse in ihren Zügen und Bahnhöfen. Die U-Bahn in Glasgow, auch Glasgow Subway oder umgangssprachlich “The Clockwork Orange” genannt, hat weder USB-Anschlüsse noch eine App, die Reisende über Fahrplanänderungen und Verspätungen informiert. Allerdings handelt es sich bei der U-Bahn in Glasgow auch um ein viel kleineres System mit weniger Pendlern, weswegen eine App oder USB-Anschlüsse vielleicht nicht so wichtig sind. 

Auch wenn die britischen Metrosysteme nicht alle drei Anforderungen erfüllen, schneiden sie immer noch besser ab als die Metros in Warschau, Budapest und überraschenderweise auch Kopenhagen. Überraschend deswegen, weil Dänemark, obwohl es in der jährlichen Rangliste der Europäischen Kommissionals die am stärksten digitalisierte Volkswirtschaft unter den 28 Mitgliedstaaten eingestuft wurde, keine Smarten U-Bahnhöfe oder deren Folgefunktionen in der Metro in Kopenhagen aufweist.

Welche Bedeutung haben Smarte Bahnhöfe?

In einer globalisierten Wirtschaft ist es wichtig, immer erreichbar zu sein, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Smarte Bahnhöfe bieten die Möglichkeit, auch von unterwegs aus zu arbeiten, erreichbar zu sein und zu spielen, so dass Pendler ihre Reisezeit optimal ausnutzen können und keine produktive Zeit verschwenden müssen.

Jedoch ist die ständige Erreichbarkeit nicht in allen Ländern erwünscht, da sie die Menschen unter Druck setzten könnte, immer zu arbeiten. Deshalb investieren einige Länder vielleicht bewusst nicht in solch eine vernetzte Infrastruktur. Wenn Sie also eine Auszeit von der Arbeit nehmen wollen, dann könnte Slowenien eine gute Wahl für Sie sein.

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