Futuristic airship on the colourful sky background.

Das Reisen im CO2-Zeitalter – Luftschiffe

Avatar photo

Könnte ein Helium-Luftschiff eine Lösung für Klimaprobleme sein? Moderne Luftschiffe erzeugen weniger CO2 pro Personenkilometer als übliche Flugzeuge und haben also eine deutlich bessere Ökobilanz. Außerdem ist ein Luftschiff nicht so eng, leiser und bequemer.

Luftschiffe in Gestalt der Zeppeline aus den 1920er-Jahren sind sehr bekannt. Aber deren Ära ist vorbei. Die modernen Luftschiffe unterscheiden sich erheblich von jenen alten Typen aus Friedrichshafen am Bodensee. Die fortschrittliche Technologie eröffnet den Luftschiffen neue Möglichkeiten für eine umweltfreundliche, sichere und schnelle Art des Reisens. Außerdem haben die neuen Luftschiffe das Potenzial, die Luftfahrt zu verändern.

Das Comeback der Luftschiffe

Die CO2-Emissionen und Feinstaubemissionen der Tragflächen-Flugzeuge tragen zum Klimawandel bei. Aber ganz ohne Luftverkehr könnte es auch in Zukunft schwer werden. Was sind also die umweltfreundlicheren, energiesparenden Alternativen zum derzeit verbreiteten Tragflügelflugzeug? Eine weitgehend erforschte und verfügbare Technik ist das Luftschiff.

Die ersten Vorläufer der Luftschiffe stiegen bereits 1783 empor, allerdings in Form von Heißluftballons. Die Brüder Montgolfier befassten sich als erste in Frankreich mit dem Auftrieb. Im Jahr 1900 erfand dann Ferdinand Graf Zeppelin, ein deutscher Offizier, das Starrluftschiff und startete einen regen Atlantik-Linienverkehr. Beim Landeanflug auf New York im Jahre 1937 fing die Hindenburg Feuer, brannte aus und es gab viele Tote zu beklagen. Das sehr brennbare Wasserstoff wurde damals als Auftriebsmedium benutzt. Deshalb war die Katastrophe nur eine Frage der Zeit.

Hindenburg at hangar in black and white.
Der in Deutschland gebaute Zeppelin Hindenburg im Hangar, bereit für einen Testflug im März

Aber seit dem Unglück gab es keine Luftschiff-Linienfahrten mehr. Deshalb sieht man sie heute nur noch in Fantasy-Büchern, in Filmen oder in der Werbung. Davon abzugrenzen sind Ballonrundfahrten. Doch die Realität wird Luftschiffe bald wieder zum Leben erwecken. Eines der ersten Serienmodelle des riesigen Airlander-Luftschiffs wird das erste sein, das seit 1928 zum Nordpol fährt.

Umweltfreundlicher reisen

Im Jahr 2019 verbrauchten Flugzeuge 69 Millionen Kubikmeter Treibstoff. Das ist alles andere als CO2-neutral. Um das schlechte Gewissen beim Fliegen zu überwinden, sind Luftschiffe die Lösung. Luftschiffe haben aufgrund des Auftriebseffekts des Heliums ein sehr geringes Eigengewicht des Flugzeugs. Dadurch haben sie einen sehr geringen Kraftstoffverbrauch. Wenn dieses Transportmittel in Zukunft für Fracht- oder Reiseflüge eingesetzt wird, dann könnte dies einen Wandel in der Luftfahrt bedeuten.

Die neuen Helium-Luftschiffe werden von einer Mischung aus Verbrennungs- und Elektromotoren angetrieben. Im Vergleich zu Flugzeugen stößt das Hybrid-Elektroluftfahrzeug 90% weniger CO2 aus. Viele Unternehmen wollen jedoch bis 2030 vollelektrische Luftschiffe entwickeln und emissionsfreie Flüge anbieten.

Luftschiffe bieten einen luxuriösen und lärmarmen Flug durch die Wolken. Sie können bis zu 20 Passagiere befördern, aber die neuen Luftschiffe können bis zu 100 Passagiere befördern. Mithin gibt es Pläne für kommerziellen Reiseverkehr mit Luftschiffen. Aufgrund ihrer Fähigkeit, nahezu überall starten und landen zu können, sind sie eine reale Konkurrenz für Tragflächenflugzeuge.

Airlander 10

Airlander 10 ist ein neues Luftschiff, das von der britischen Firma Hybrid Air Vehicles (HAV) entwickelt wurde. HAV wurde 2007 von Roger Munk gegründet. HAV bewirbt den Airlander mit ‘Effizienz durch Technologie’. Das Luftschiff von HAV ist ein hybrid-elektrischer Prototyp mit raumhohen Fenstern, die eine unglaubliche Aussicht und natürliches Licht bieten. Der reguläre Flugbetrieb soll im Jahre 2025 mit einer Flotte von 12 Luftschiffen aufgenommen werden.

Im britischen Guardian betonte Tom Grundy, Vorstandsvorsitzender von HAV, dass der Airlander kein überflüssiges Luxusprodukt sei, sondern tatsächlich eine praktisches Fluginstrument mit geringen Emissionen. Laut Grundy könnte diese wiederbelebte Flugtechnologie durchaus die gleichen Destinationen wie derzeit die Tragflächenflugzeuge bedienen. Jedenfalls auf Kurzstrecken bis etwa 370 km Distanz. Im Vergleich zum Flugzeug jedoch mit deutlich weniger CO2-Emissionen, was in Zukunft von elementarer Bedeutung sein wird. Es ist geplant, die Fluggeräte vollelektrisch zu betreiben.

Mehrere Fluggesellschaften haben bereits erwogen, das Luftschiff testweise im Linienbetrieb zu erproben. Mit dem schwedischen Reiseveranstalter OceanSky Cruises wurde bereits ein Vorvertrag abgeschlossen. OceanSky möchte eine “Erlebnisreise” zum Nordpol mit dem Polarforscher Robert Swan anbieten.

Die Technik der Luftschiffe

Luftschiffe unterscheiden sich doch erheblich von Tragflächenflugzeugen. Sie sind bequem, leise und natürlich weniger umweltbelastend. Außerdem benötigen Luftschiffe keine aufwändige Infrastruktur. Insbesondere wird keine kilometerlange Startbahn oder Einflugschneise benötigt. Zeppeline können deshalb näher an den Städten landen.

Airlander ist ein individuell anpassbares, emissionsarmes Verkehrsflugzeug mit Hybrid- und Elektrokonfiguration. Der Airlander ist auch recht klein, was ihn nicht gerade zu einem perfekten Luftfahrzeug für schwere Lasten macht. Als Gasfüllung wird das großatomige Helium verwendet, das in Kombination mit anderen Technologien erlaubt, eine Nutzlast bis zu 10 Tonnen für eine lange Zeit zu tragen. Als Luftschiff für Schwerlasttransporte sind bereits die Konstruktionszeichnungen für den Airlander 50 in der Schublade, aber es gibt noch keinen Prototypen.

Neben dem Airlander wird in Frankreich am “Fliegenden Wal” genannten Fracht-Luftschiff LCA6OT gearbeitet. Dieses große Luftschiff in Form eines Blauwals kann be- und entladen werden, ohne vollständigen Bodenkontakt haben zu müssen. Diese einzigartige Konstruktionsdetail spart Zeit und somit Kosten. Außerdem wird der Bedarf an Lande-Infrastruktur noch einmal reduziert. Der Flieger ist 150 Meter lang und hat 66 Tonnen Nutzlast. Es hat eine Hightech-Hülle, leichte Elektromotoren und ebenso leichte Ultrakondensatoren als Stromspeicher. Im Laderaum ist auch für großvolumige Lasten Platz und die Höchstgeschwindugkeit bei Windstille beträgt 62 Meilen pro Stunde.

Weshalb Luftschiffe die Zukunft des Luftverkehrs sein könnten

Ingenieure arbeiten an Elektroantrieben als Alternative zu fossilen Brennstoffen. Doch der Wandel hin zu einer CO2-armen Zukunft muss beim Land- als auch beim Luftverkehr stattfinden. Moderne Luftschiff sind sowohl für Tourismus- und Linienflüge als auch für Frachtflüge sehr gut geeignet. Denn mit einem Luftschiff kann man überall hingelangen, weil keine besondere Infrastruktur zum Starten oder Landen vor Ort erforderlich ist.

Futuristic airship flying above the modern city.

Der Airlander verbraucht wenig Energie und ist aufgrund seiner Bauweise sehr effizient. Die neuen Helium-Luftschiffe sind so groß, dass sie sogar die großvolumigen Flüssigwasserstofftanks transportieren können. Luftschiffe sind universell einsetzbar. Ob im Katastrophenfall, beim oberirdischen Rohstoffabbau oder beim Transport großer Frachtmengen. Es ist auch möglich, dass Luftschiffe einem breiteren Publikum zugänglich werden.

Häufig gestellte Fragen

Werden Luftschiffe ein Comeback erleben?

Die erste Glanzzeit erlebten die Luftschiffe vor 80 Jahren. Vielleicht wiederholt sich die Ära. Luftschiffe können die Luftfahrt als umweltfreundliches Transportmittel für Passagiere und zur Lieferung von Waren in viele Länder verändern.

Wie werden Luftschiffe hergestellt?

Das wichtigste Gestaltungsmerkmal ist die gasgefüllte Außenhaut, und zum Antrieb dient ein Propeller. Früher gab es nur wenige leistungsstarke und gleichermaßen leichte Motoren. Die Hülle des neuen Airlander ist aus einem starken Flüssigkristallpolymer namens Vectran gefertigt.

Sind Luftschiffe umweltfreundlicher als Tragflächenflugzeuge?

Luftschiffe können dazu beitragen, den Treibstoff- und Kohlenstoffverbrauch um bis zu 90 % zu senken, so dass ihre Ökobilanz zumindest weniger schlecht ist. Außerdem sind sie viel sparsamer als Flugzeuge. Denn sie haben einen viel geringeren Leistungsbedarf, also auch einen geringeren Treibstoffverbrauch als ein Flugzeug.

Warum werden Luftschiffe derzeit nicht im Linienverkehr eingesetzt?

Seit der Katastrophe der Hindenburg im Jahr 1937 sind Luftschiffe nicht mehr als Transportmittel im Einsatz. Allerdings könnten Luftschiffe bald wieder Fahrt aufnehmen. Das Unternehmen Hybrid Air Vehicles (HAV) ist aktuell mit der Reaktivierung eines Luftschiff-Verkehrssystems beschäftigt. Deren Airlander soll den Flugbetrieb 2025 aufnehmen.

Wie hoch kann ein Luftschiff fliegen?

Luftschiffe können unterhalb von 20 000 und oberhalb von 60 000 Fuß verkehren ( Höhenluftschiffe). Aber das derzeit größte Luftschiff der Welt, der Airlander 10, wird bis zu 20 000 Fuß hoch fliegen können. Der Airlander kann fünf Tage lang in der Luft bleiben und hat eine maximale Reichweite von 4000 Seemeilen bzw. etwa 4603 Meilen mit seinem Hybridantrieb. Die Höchstgeschwindigkeit des Airlander beträgt 130 Kilometer pro Stunde.

Welches berühmte Luftschiff ist abgestürzt?

Das berühmteste abgestürzte Luftschiff war einer der Zeppeline. Am 6. Mai 1937 geht das Luftschiff Hindenburg, das größte Luftschiff der Welt, beim Festmachen in Flammen auf. Beim Berühren des Festmachers in Lakehurst, New Jersey, fing der wasserstoffgefüllte Zeppelin Feuer. Dabei fanden 35 der 91 Passagiere und Besatzungsmitglieder den Tod.

Gibt es heute noch Luftschiffe?

Nach Angaben der Van Wagner-Gruppe sind derzeit weltweit nur 25 Luftschiffe in Betrieb und noch weniger Zeppeline. Luftschiffe werden meist zu Werbezwecken oder zur Berichterstattung über Sportveranstaltungen eingesetzt. Doch in letzter Zeit ist das Interesse an Luftschiffen wieder erwacht. Daher gibt es Pläne, Luftschiffe bald wieder für den Transport schwerer Ladungen sowie für militärische oder zivile Zwecke einzusetzen.

Wer nutzt Luftschiffe?

Heutzutage werden Luftschiffe hauptsächlich zu Werbezwecken und für Sightseeing eingesetzt. Eines davon, Airlander, wurde offiziell für das US-Militär entwickelt. Nach der Einstellung des Programms im Jahr 2013 kehrte das Fluggerät nach England zurück, wurde für zivile Zwecke umgebaut und erhielt den Namen Airlander 10. Das Luftschiff absolvierte sieben Testflüge und wurde 2019 außer Betrieb genommen. Der kommerzielle Flugbetrieb soll jedoch im Jahr 2025 aufgenommen werden.

Wer erfand das Luftschiff?

Der französischen Erfinder Henri Giffard baute im Jahr 1852 ein Luftschiff, das als “lenkbarer Ballon” bezeichnet wurde. Zum Vortrieb nutzte Giffard eine 160 kg schwere Dampfmaschine mit 3 PS, die einen großen Propeller mit 110 Umdrehungen pro Minute antrieb. Aber 1783 kann als Datum für den Beginn der Luftfahrt angesehen werden. In diesem Jahr erfanden zwei Brüder aus Frankreich den ersten Heißluftballon. Im Jahr 1900 begann die Ära der Zeppeline, konstruiert von Ferdinand Graf von Zeppelin.

Was ist ein anderer Name für Luftschiff?

Luftschiffe werden auch Helium-Luftschiffe, Starrluftschiffe, Zeppeline oder fliegende Zigarre genannt. Ein beliebter Online-Spitzname für Luftschiffe ist “Flying Bum”, abgeleitet von der äußeren Form. Luftschiffe werden auch “lenkbare Ballons” oder einfach fliegende Ballons genannt.

Total
55
Shares
Vorheriger Beitrag

Distrelec im Gespräch mit Crouzet

Nächster Beitrag
Bei Sonnenuntergang, Logistik und Transport eines Containerfrachtschiffs und eines Frachtflugzeugs in einer Werft mit einer funktionierenden Kranbrücke.

8 Technologietrends, die die Schiffstechnik verändern

Verwandte Beiträge