Wie holt man das Beste aus dem industriellen Internet der Dinge (IIoT) heraus? Ein Interview mit Maria Silenti von JUMO

Maria SilentiSales Managerin bei JUMO Instrument Company

Maria Silenti hat 23 Jahre Vertriebserfahrung bei JUMO im Bereich Sensorik und Automatisierung bei den Jumo-Töchtern in UK und den USA. Als Sales Managerin bei JUMO UK genießt sie die Arbeit in einem kleinen Team innerhalb des Weltmarktführers aus dem hessischen Fulda, der eine Vielzahl von Branchen beliefert. Ihr besonderes Interesse gilt dem Key-Account-Management und der Entwicklung neuer Geschäftsfelder, wobei ihre fließenden Deutsch-, Englisch- und Italienischkenntnisse oft von Vorteil sind.

1. Wie ist JUMO in der IIoT-Branche engagiert?

Als Hersteller von Sensoren und Automatisierungsprodukten mit 70 Jahren Erfahrung hat sich JUMO natürlich auch zu einem Anbieter von Steuerungssystemen mit immer anspruchsvollerer Internet- und Netzwerkkommunikation entwickelt. Wir versuchen, eine komplette Lösung anzubieten, die sowohl JUMO-Smart-Sensoren als auch ein Cloud System liefert.

2. Was sind Ihrer Meinung nach die Schlüsselfaktoren, die diese Branche voranbringen?

Die wachsende Nachfrage in allen Industriezweigen nach intuitiven, integrierten Geräten, auf die weltweit über das Internet oder geschlossene Netzwerke zugegriffen werden kann, ist der Schlüsselfaktor. Daher bedeutet die Nachfrage eine verstärkte Kontrolle der Prozesse und einen leichteren Zugang zu Messdaten und Steuerungseinstellungen.

3. Was sind Ihrer Meinung nach die größten Herausforderungen bei der Arbeit in dieser Branche?

Die Kommunikationsschnittstellen ändern sich ständig, und es gibt keinen wirklichen Standard in bestimmten Branchen. In welche Schnittstelle/Netzwerke investiere ich meine Produkte als Hersteller?   Was ist die Präferenz des Kunden? Auch die kürzeren Innovationszyklen spielen eine große Rolle. Während herkömmliche Steuerungen erst nach 8-12 Jahren von der nächsten Generation abgelöst wurden, sind es heute bestenfalls 2-4 Jahre.   Um mit diesen Veränderungen Schritt halten zu können, bedarf es einer schnelllebigen Wissensbasis, kontinuierlicher Investitionen und einer korrekten Markt- und Gesetzesrecherche, um erfolgreich zu sein. 

4. Was hält Ihrer Meinung nach einige Unternehmen davon ab, in das IIoT zu investieren?

In der Prozesssteuerung gibt es seit vielen Jahren das traditionelle 4-20mA-System.  Die Zurückhaltung bei der Umstellung auf die moderne digitale Kommunikation mit intelligenten Sensoren und modernen Schnittstellenkommunikationssystemen ist oft auf mangelndes Wissen und Angst vor den Möglichkeiten und Kosten zurückzuführen, die mit der Entwicklung von Produkten für Hersteller und ihre Kunden verbunden sind

5.Was sagen Ihre Kunden zu Ihren Lösungen?

Die JUMO Cloud basiert auf dem Modell „Software as a Service” (SaaS) mit einer vordefinierten Benutzeroberfläche. Gleichzeitig bieten wir die JUMO smartWARE SCADA an. Dabei handelt es sich um ein hochmodernes System, das auf der JUMO-Cloud-Technologie basiert und einen einfachen Zugriff auf die Messdaten über gängige Webbrowser ermöglicht. Es besteht keine Notwendigkeit, eine andere Software zu verwenden. Eine Flatrate bzw. ein Pay-per-Use-Modell ermöglicht eine variable und kundenspezifische Preisgestaltung. Erfolgreiche Projekte in der Fleisch- und Milchverarbeitung zeigen, dass unsere Kunden unser System als einfach zu bedienende, zuverlässige, gut unterstützte und hoch skalierbare, leistungsstarke Digitalisierungsplattform bezeichnen, die den Produktionsprozess mit effizienter Visualisierung unterstützt.

6. Wie wurden Ihrer Meinung nach die Sicherheitsbedenken berücksichtigt?

Die JUMO Cloud nutzt eine redundante Infrastruktur für die Datenspeicherung und spart dadurch viel Zeit. Das Rechenzentrum, in dem die Daten gespeichert werden, ist nach ISO/IEC 27001 zertifiziert, entspricht der Datenschutzgrundverordnung und befindet sich in Deutschland.   Die smartWARE SCADA  unterstützt als System mehrere Clients, wobei die Software auch über individuell konfigurierbare Benutzerrechte verfügt. Die Sicherheit wird durch eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung mit möglicher Zwei-Faktor-Authentifizierung gewährleistet.

7. Das IIoT bedeutet eine Industrie, die sehr auf Daten gestützt ist. Bieten Sie denn Datendienste an? Wie unterscheidet sich diese Lösung von denen anderer Wettbewerber?

Die JUMO Cloud ist eine IIoT-Plattform zur Prozessvisualisierung sowie zur Datenerfassung, -auswertung und -archivierung.  Außerdem ermöglicht sie den weltweiten Zugriff auf Messdaten und unterstützt alle gängigen Webbrowser mit einem hohen Maß an Sicherheit. Die Prozesssicherheit wird ebenfalls erhöht, da mehrere verteilte Anlagen, Prozesse oder Standorte in einem einzigen Dashboard überwacht werden können.  Zudem bieten unsere hauseigenen Software-Teams Unterstützung in allen Phasen des Prozesses.

8. Unternehmen, die in IIoT-Lösungen investieren, können kostspielig sein, wenn sie es nicht richtig machen. Welchen Grad an Unterstützung bieten Sie Ihren Kunden bei der Einführung Ihrer Lösungen?

Es ist wichtig, die Kundenanforderungen in einem Prozess von Anfang an vollständig zu verstehen.  Daher statten wir Besuche vor Ort ab, um die beste Lösung für die Inbetriebnahme zu evaluieren und unterstützen unsere Kunden auch nach dem Kauf einer IIoT-Lösung.   Zudem bieten wir auch individuelle Schulungen an, denn für uns ist es wichtig, eine Partnerschaft mit unseren Kunden aufzubauen, um von einem Ausgangspunkt zu einem optimierten System zu gelangen.

9. Was wird Ihrer Meinung nach in den nächsten Jahren der Hauptschwerpunkt im Bereich IIoT sein?

In den nächsten Jahren wird die drahtlose Kommunikation vom Sensor zur Cloud immer wichtiger werden. Zusammen mit einer intuitiveren Datenerfassung, -überwachung und -archivierung ohne Beeinträchtigung der Datensicherheit.

10. Was reizt Sie an der Arbeit in dieser Branche am meisten?

JUMO ist bestrebt, eine umfassende, flexible und wertschöpfende Lösung anzubieten, die die Anforderungen des Kunden übertrifft.

11. Blickt JUMO bereits in Richtung Industrie 5.0?

JUMO ist ein führender Innovator, der immer auf der Suche nach dem nächsten Schritt ist, um seine Produkte und Lösungen so weiterzuentwickeln, dass sie dem sich ständig verändernden Industriemarkt am besten entsprechen. 

12. Was sind die aktuellen und zukünftigen digitalen Ambitionen Ihres Unternehmens? 

Unser Ziel ist es, mehr digitale/IO-Link-Sensoren für Temperatur, Druck, Feuchtigkeit, pH-Wert, Leitfähigkeit usw. anzubieten, um eine Zwei-Wege-Kommunikation mit Cloud-Systemen zu ermöglichen.

13. In der IoT-Branche gibt es viele Hersteller, die alle an verschiedenen Standards oder firmeneigene Spezifikationen arbeiten, was die Kommunikation untereinander erschwert. Wie kompatibel sind Ihrer Meinung nach Ihre Lösungen in der Industrie?

JUMO verwendet die gängigsten und standardisierten Kommunikationsprotokolle, um die bestmögliche Kommunikationsfähigkeit zwischen Systemen zu gewährleisten. Wir arbeiten mit vielen Industrieverbänden und Gesetzgebern sowie mit unseren Wettbewerbern und Universitäten zusammen, um den besten Weg in die Zukunft zu finden.

14. Was ist das Besondere an Ihrer JUMO Technologie, die alle Systeme zu einer datengesteuerten Lösung verbindet? 

Wir bieten sowohl die Erfassung als auch die Automatisierung in der Cloud mit einer Mischung aus Kommunikationsprotokollen an, wobei wir uns auf branchenspezifische Lösungen konzentrieren.

15. Wie unterstützen Sie die Steigerung der Produktivität durch Echtzeit-Daten?

Cloud- und SCADA-basierte Systeme ermöglichen die Überwachung und Steuerung von Prozessinformationen und -änderungen von globalen Standorten aus.

16. Was ist Ihre neueste Innovation, um die KI-Automatisierung voranzutreiben? (Echtzeit-Datenerfassung, Nachverfolgung, Planung, Steuerung und Lösungsvorschläge)

Die browserbasierte Softwarelösung SmartWARE ermöglicht die intuitive Analyse und Visualisierung von Prozessdaten aus dem JUMO variRON-Automatisierungssystem. Die Individuellen Dashboards ermöglichen außerdem einen gezielten und schnellen Zugriff auf erfasste Prozessdaten.  Durch die Datenerfassung in Echtzeit über die Cloud, können im laufenden Betrieb Änderungen vorgenommen werden.

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