Wie verändern Roboter das Transportwesen?

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Roboter werden in unterschiedlichsten Bereichen des Personenverkehrs zum Einsatz kommen. Doch wie sehen diese neuen Formen der automatisierten Fortbewegung aus? Wann werden die Auswirkungen von Robotern in der Transportindustrie spürbar sein? Roboter sind die Transportmittel der Gegenwart und Zukunft – intelligente, automatisierte Fahrzeuge mit Laser, GPS und anderen Technologien, die autonom fahren oder fliegen können.

Wir haben alle schon von selbstfahrenden Autos gehört, aber das ist erst der Anfang. Von Roboterbussen, die bereits auf europäischen Straßen getestet werden, bis hin zu futuristischen Drohnen, die ein völlig neues Transportnetz über unseren Städten entstehen lassen, investieren Unternehmen in großem Umfang, um den privaten und gewerblichen Transport zu verändern.

Laut Statista wird das weltweite Marktvolumen für autonome Fahrzeuge bis 2030 auf 2,3 Billionen US-Dollar taxiert, gegenüber den prognostizierten 205 Milliarden US-Dollar für das Jahr 2023. Dies ist ein Zeichen dafür, dass autonome Fahrzeuge in den kommenden Jahren erheblich an Bedeutung und Popularität gewinnen werden. Außerdem wird darin dargelegt, welchen Einfluss die Robotersysteme voraussichtlich auf die Transportindustrie und ihren Markt haben werden.

Auf der Straße

In der Vergangenheit spielten autonome Fahrzeuge vielleicht nur in futuristischen Filmen und Videospielen eine Rolle – sie waren aber nur auf dem Bildschirm zu sehen. Es dürfte jedoch nicht mehr allzu lange dauern, bis autonome Fahrzeuge auf unseren Straßen die Oberhand gewinnen.

Selbstfahrende Autos

Ein Bild von selbstfahrenden Autos an einer Kreuzung.

Die Automatisierung des Fahrens erfolgt in verschiedenen Stufen, wobei es voraussichtlich noch eine Weile dauern wird, bis die vollständige Automatisierung von für den Straßenverkehr sicheren autonomen Fahrzeugen erreicht ist. Die meisten autonomen Fahrzeuge, die im Jahr 2023 auf dem Markt sind, bewegen sich auf der Stufe Teilautomatisierung des Fahrens, d. h. auf Stufe 2 der fünf Stufen der Fahrautomatisierung. Das bedeutet, dass ein Fahrerassistenzsystem (Advanced Driver Assistance System, ADAS) die Lenkung, das Beschleunigen und das Bremsen unterstützt, der Fahrer aber trotzdem mit voller Aufmerksamkeit bei der Sache ist. 

Anfang 2023 brachte Mercedes-Benz jedoch als erster Hersteller mit dem L3 Drive Pilot ein automatisiertes Fahrzeug der Stufe 3 auf den Markt. Stufe 3 des autonomen Fahrens wird auch als bedingte Fahrautomatisierung bezeichnet – wobei das Fahrzeug alle Fahrfunktionen steuert, jedoch ein Mensch auf dem Fahrersitz sitzen muss, um bei Bedarf zu übernehmen. Das Auto ist in Deutschland gesetzlich zugelassen. Das bedeutet, dass Inhaber des L3 Drive Pilot auf der Autobahn essen, trinken, E-Mails schreiben und sogar Spiele auf dem Infotainment-Bildschirm spielen dürfen. Verschwindet jedoch das Gesicht des Fahrers aus den Kameras im Fahrzeug, wird das System deaktiviert. Nickerchen sind also nicht erlaubt!

Fahrerlose Taxis

Waymo hat 2020 in den USA den ersten fahrerlosen Taxidienst auf den Markt gebracht. Der Dienst wurde zunächst in Phoenix angeboten, wurde dann aber auf San Francisco ausgeweitet und soll bald auch in Los Angeles und Austin zur Verfügung stehen. Der Waymo One kann über eine App als Taxi angefordert werden. Das autonome Auto wählt dann den sichersten Bereich aus, um den Fahrgast abzuholen, der dann die Tür mit der App entriegeln und die Fahrt zu seinem Zielort genießen kann. Sogar die Temperatur lässt sich einstellen oder eine Verbindung zum Smartphone herstellen, um Podcasts oder Musik anzuhören. Der Waymo fährt mit der Autonomiestufe 4, wobei jedoch ein Testfahrer an Bord ist, falls etwas schiefgeht. 

Der Wettlauf um vollständig autonome Fahrzeuge ist in vollem Gange. Viele Unternehmen, darunter Tesla, Volvo, Waymo und General Motors, arbeiten an der Entwicklung von Technologien, um als Erste vollständig autonomes Fahren zu ermöglichen. 

Roboterbusse

Ein Bild von einem Roboterbus in Deutschland.

Anfang 2023 wurde ein Projekt ins Leben gerufen, bei dem selbstfahrende Busse in drei europäischen Städten eingesetzt werden sollen. Fünfzehn fahrerlose, vollelektrische Kleinbusse werden in Genf (Schweiz), Oslo (Norwegen) und Kronach (Deutschland) für einen 24-Stunden-Betrieb programmiert. Die selbstfahrenden Kleinbusse sollen 2025 auf die Straße gebracht werden. Wie die Waymo-Taxis werden die Busse über eine Smartphone-App angefordert, d. h. sie fahren „auf Abruf“. 

Schienenfahrzeuge

Das deutsche Unternehmen Alstom hat als erstes Unternehmen weltweit autonome Personenzüge im Regionalverkehr getestet. Das Projekt wurde 2021 auf den Weg gebracht und 2023 sollen die ersten Tests stattfinden. Das Unternehmen ist weltweit führend bei automatischen Fahrsystemen für U-Bahnen und möchte nun selbstfahrende Züge zur Wirklichkeit werden lassen. 

„Alstom verfügt über umfangreiche Erfahrungen mit vollautomatischen und fahrerlosen U-Bahnen. Während sich U-Bahnen in einer abgeschotteten Umgebung entwickeln, sieht es mit der vollständigen Automatisierung von Zügen auf einem ungeschützten, mehrere hundert Kilometer langen Streckennetz ganz anders aus. Das gab es bisher noch nicht, und wir wollen die Ersten sein, die das schaffen.“ –  Jean-Francois Beaudoin, Präsident, Digital & Integrated Systems, Alstom.

Bei Metrosystemen ist man technologisch schon deutlich, wobei es weltweit über 60 fahrerlose Metrosysteme geben soll, die vollautomatisch über eine zentrale Leitstelle gesteuert werden. In Europa fahren die meisten dieser fahrerlosen U-Bahnen in Frankreich und Italien, wobei es Pläne gibt, fahrerlose U-Bahnen auf dem ganzen Kontinent einzusetzen. 

Robotersysteme haben nicht nur Auswirkungen auf das autonome Fahren, sondern auch auf den Schienenverkehr. Ein selbstfahrender Roboter, der auf Bahngleisen herumfährt und deren Zustand inspiziert, wurde 2022 von Chalmers erprobt. Das Ziel ist es, Probleme so früh wie möglich zu erkennen, um die Wartungskosten zu senken und daraus resultierende Verzögerungen zu vermeiden. Dank Kameras, 3D-Lidar, GPS, einem Beschleunigungsmesser und vielen Trainingsdaten kann der Roboter eigenständig auf den Schienen fahren. Er lässt Zügen den Vortritt und hält sich auch an Schilder und Signale. 

Falls Sie mehr über einige der interessantesten Innovationen in der Bahnindustrie erfahren möchten, lesen Sie unseren Artikel.

Lufttransport

Ein Bild von Taxi-Drohnen.

Während unbemannte Luftfahrzeuge bereits weltweit vom Militär eingesetzt werden, ist der Start eines kommerziellen Passagierflugzeugs ein schwierigeres Unterfangen. Aber das hält Unternehmen nicht davon ab, hier Investitionen in Milliardenhöhe zu tätigen. Ein Großteil der Arbeit von Piloten ist bereits automatisiert, wobei lediglich für Start und Landung manuelle Eingaben erforderlich sind. Unternehmen wie Cathay Pacific und Airbus wollen jedoch den nächsten Schritt wagen. Derzeit liegt der Schwerpunkt auf der Verringerung der Anzahl der Piloten im Cockpit von zwei auf einen. Die beiden Unternehmen gaben 2021 bekannt, dass sie an einem Projekt arbeiten, um dieses Vorhaben bis 2025 zu verwirklichen.

Taxi-Drohnen

Wir träumen schon seit Jahren von fliegenden Autos. Jetzt hat das deutsche Unternehmen Volocopter GmbH die weltweit ersten elektrischen Senkrechtstart- und -landedienste (electronic vertical take-off and landing, eVTOL) auf den Weg gebracht. Das VoloCity Lufttaxi ist ein zweisitziges Luftfahrzeug, das anlässlich der Olympischen Spiele 2024 in Paris sein kommerzielles Debüt feiern soll. Das Pariser Zentrum wird über drei Routen von den Flughäfen und dem Hubschrauberlandeplatz aus erreichbar sein. Mit dem Volocopter werden auch Rundflüge zu den Sehenswürdigkeiten angeboten.

Robotik in Flughäfen

Robotertechnik sorgt sogar für ein verbessertes Passagiererlebnis. Roboter kommen auf Flughäfen zum Einsatz, um Passagiere zu betreuen, Gepäck abzufertigen, bestimmte Bereiche zu reinigen und Sicherheitsinspektionen durchzuführen. Diese Roboter sorgen für ein angenehmeres und stressfreieres Fliegen, indem sie Informationen in Echtzeit bereitstellen, die Passagiere zu ihren Gates lotsen und sogar für Unterhaltung sorgen. Darüber hinaus lassen sich mit Drohnen Waren und Güter transportieren, wodurch eine neue Form des Transports geschaffen wird, die schneller und anpassungsfähiger als herkömmliche Transportmittel ist.

Wie sieht die Zukunft aus?

Futuristisch anmutende Flugreisen.

Aus den Prognosen zum Marktvolumen geht eindeutig hervor, dass Roboter in den nächsten Jahrzehnten einen enormen Einfluss auf die Transportindustrie haben werden. Angesichts der zunehmenden Autonomie der Fahrzeuge auf den Straßen werden die technologischen Entwicklungen sicherlich dazu führen, dass vollständig autonome Fahrzeuge zur Realität werden – wie lange dies jedoch noch dauert, ist ungewiss. Mit der Entwicklung der Hyperloop-Technologie soll die Bahnindustrie revolutioniert und die Fahrzeiten der Züge erheblich verkürzt werden.

Bis dahin kann auch hier allerdings noch einige Zeit vergehen. Wenn Sie wissen möchten, wie sich die Zukunft des Transports auf unseren Meeren gestalten könnte, schauen Sie sich einmal an, wie wir mit KI in der Schifffahrt in die Zukunft segeln. Roboter werden auch in naher Zukunft eine wichtige Rolle in der Transportindustrie spielen, und wer weiß, vielleicht werden wir eines Tages ein Transportnetz schaffen, das ganz ohne menschliche Hilfe auskommt.

Durch die Automatisierung des Verkehrs sollen Sicherheit, Zuverlässigkeit und Effizienz erhöht werden. Während die Nachfrage nach Fahrern und Piloten zurückgehen wird, ergeben sich neue Möglichkeiten in den Bereichen Steuerung und Management. Damit wir jedoch von diesen Veränderungen im vollen Umfang profitieren können, müssen sich allerdings zunächst Infrastruktur, Vorschriften und Einstellungen ändern.

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